Mick Morley
44 Flavours
Ist Werbung zu dominant in unserer Gesellschaft?

Problematisch wird es, wenn man nicht mehr mitentscheiden kann:
Man wird mit Informationen vollgepumpt und ist dadurch schnell überfordert.
Nicht jeder lernt mit Werbung umzugehen, darum ist es wichtig, sich damit
auseinanderzusetzen und verantwortungsbewusst damit umzugehen.
Als Konsument sowie als Dienstleister. Ob Fernsehwerbung, Plakatflächen
oder schlicht Internet-Spam. Im Grunde sind wir den Informationen ausgeliefert
und müssen sie irgendwie verarbeiten, da sind subversive Subkulturen und
Bewegungen in unserer Gesellschaft selbstverständliche Konsequenz.

Subkulturen, wie zum Beispiel das Adbusting in der Streetart funktionieren
als einfache Gegenbewegung zur Werbung im öffentlichen Raum; dass diese
Bewegung nicht greifbar ist, macht sie Interessant. Es wird mit den gleichen
Waffen gearbeitet. Ein Graffiti Writer nutzt ähnliche Instrumente um sich
Aufmerksamkeit zu verschaffen, wie ein Konzern, der für ein bestimmtes Produkt wirbt.
Der Writer verbreitet ein Pseudonym, seinen Namen, sein Logo, sein Produkt oder den
Namen einer Gruppe. Der Unterschied: nicht jeder weiß, wer dahinter steckt, da es illegal
und nicht kommerziell ist. Die Stadt wird attraktiver, abwechslungsreicher, spannender
und interessanter durch Unordnung. Die verbreiteten Zeichen funktionieren
wie eine zweite Haut der Stadt.

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Welche Richtung wird die Werbung in Zukunft einschlagen?

Sie wird sich an den Subkulturen bedienen, an urbanen Mittel.
Da werden Leute im Marketing und in der Art Direktion sitzen, die vor zehn Jahren
auf der Straße waren und das urbane Feld bewusst bzw. unbewusst mit verändert haben.
Die sitzen zum Teil jetzt schon in den Agenturen und lassen die urbanen,
subkulturellen Einflüsse in die normale alltägliche Werbung fließen.

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Macht Ihr die Welt besser bzw. schöner durch euer Tun?

Meines Empfindens nach: nein. Wir sehen uns nicht als Weltverbesserer.
Es ist wichtig, sich treu zu bleiben. Wir machen nichts, wo wir auch nicht dahinter stehen.
Wir haben Lust, andere zu inspirieren und zu motivieren, möchten Leute dazu bewegen
und animieren aktiver zu sein. Sich selbst auszuprobieren und zu überwinden, Dinge zu schaffen.
Ob die jetzt schön sind, das liegt am Ende in den Augen des Betrachters.
In meinen Augen ist nicht alles schön, auch wenn mich die Popart durchaus inspiriert,
ist dieser Satz für mich kein Credo. Allerdings muss man auch abwägen, ob man auf den Job
angewiesen ist oder ob man den Luxus genießen kann, "Nein!" sagen zu können.

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Eure Inspiration?


Robert Rauschenberg, auf jeden Fall. Und auch diese Downtown-Pop Art Szene im New York der 80iger.
Irgendwie gibt es da Parallelen zum heutigen Berlin. Kunst und Kultur vermischen sich mit Party und Event...
Aktionen, Happenings, Kreativität... vielleicht weniger Trash bitte. Ansonsten: Alles, was wir sehen.
Es kommt in der Szene häufig vor, dass gute Grafik kopiert wird bzw. jeder ähnlich arbeitet, deshalb wiederholt
sich auch so viel. Man muss dann natürlich einen Schritt weiterdenken... nicht stehen bleiben und etwas schlecht kopieren,
sondern seinen eigenen Geist anstrengen. Die Natur, Bewegung, das bringt mich auf Ideen oder
auch einfach mal die Sau rauslassen. Der Hamburger Bhf hier in Berlin ist mein Lieblingsmuseum.
Die letzte Ausstellung von Olafur Eliasson im Martin Gropius Bau, der komplizierte Ideen sehr simple
umgesetzt hat, hat mich auch sehr inspiriert.

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Wie beurteilt ihr die deutsche / internationale Kunstszene?

44flavours: Ich würde es mit dem Börsencrash vergleichen. Es gibt natürlich Künstler,
die in den letzten Jahren Auftragskünstler geworden sind und von denen wehrt sich keiner,
wenn er auf so einer momentanen Erfolgswelle dahin schwimmt.

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Welche Klischees existieren in der Kunstszene in Berlin?

44flavours: Spät aufstehen, Latte Macchiato schlürfend und Pinsel schwingend von
Vernissage zu Vernissage pilgern. Die Realität ist anders: viel Arbeit und viel unterwegs sein.
Wir wollen davon leben können, daher sind wir sehr aktiv.
Solange wir Spaß an der Arbeit haben sind wir auf der richtigen Fährte.
Deswegen sind wir auch "freie" Grafiker.

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Der ideale Wunschauftrag für 44flavours?

Bei einem Film für Michelle Gondry eine Filmkulisse bauen!

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Die 5 wichtigsten Erfindungen eurer Meinung in den letzten 10 Jahren?

1. Internet
2. Handy
3. digitale Fotografie
4. @
5. tragbare Computer

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Was ist Kunst für Euch?

Kunst ist wie Ping Pong! Aktion Reaktion!


Welche künstlerische Arbeit hat Euch bisher besonders beeindruckt?

44flavours: Die Arbeit von Dieter Roth. Seine Garten-Installation hat mich besonders beeindruckt,
da sie auch nach seinem Tod noch weiter wächst.
(Foto: http://www.sanktleibowitz.org/tag/literaturwurst)



44flavours Info

44flavours, Kreuzberg, Berlin, besteht aus den Künstlern Sebastian Bagge und Julio Rölle.
In Ihren Arbeiten zeigt sich großes Wissen und Verständnis für die weitläufigen Bereiche der Kunst
und der Wille der beiden, diese in Ihrer Vielfältigkeit für Ihre eigene Vision zu nutzen.
Aufgewachsen innerhalb der Graffiti und Hip-Hop Bewegung, inspiriert durch dessen
Sample- und Remix-Kultur, entwickelten beide Ihren völlig eigenen Stil, ohne sich dabei auf
bestimmte Medien festzulegen. Das Medium dient beiden als Werkzeug der Idee.

Somit steht der Name 44flavours nicht nur für bizarre schöne Ausstellungen in ganz Europa,
sondern auch für ein Design Studio, in dem die zwei in den Bereichen Grafik, Illustration und Typographie arbeiten. 

Die Idee 44flavours entwickelt sich in einer Athmosphäre von Kreativität und Freiheit jeden Tag weiter.



44flavours is an art collective based in Kreuzberg - Berlin, consisting of Sebastian Bagge and Julio Rölle.
Their work showcases a high level of knowledge of the diverse fields of art, by incorporating and
rearranging them to bring their own visions to life.
Growing up with graffiti and the derivative sample and remix culture of hip-hop, both artists developed
their individual styles without the implicit limits of any specific medium - instead they exploited multiple media
to support and best express their ideas and tastes at the moment of creation.

44flavours is not only synonymous with the strangely beautiful exhibitions, which frequently sprout up all over Europe,
but also with a cutting edge Design Studio, which focuses on a very broad scope of graphic design, illustration and typography.

44flavours is still evolving in an environment of unlimited freedom and creativity. Their studio activity is dedicated to pushing skill,
craft and conceptual knowledge to their ever widening limits.


Text © 44 flavours
Fotos © MickMorley
 


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